Triathlon- und Ausdauersport

Teck-Neckar-Fils - Wernau e.V.

Endlich wieder KULT Race-Day-Feeling im Allgäu! (von Thomas Bitzer)


Nach der coronabedingten Wettkampfpause durfte ich mich am Sonntag, 22.08.2021, wieder einmal mit anderen messen. Im Allgäu, in Bühl am Alpsee, bin ich auf 2.200 Sportlerinnen und Sportler getroffen, die das gleiche Ansinnen hatten.

Nach wie vor bin ich ein begeisterter Läufer, ein enthusiastischer Radfahrer und ein nimmersatter Schwimmer. In diesem Sommer lasse ich mich mehrmals in der Woche im Freibad blicken und auf dem Fahrrad habe ich schon mehrere tausend Kilometer abgespult. Selbst zum Laufen kann ich mich von Zeit zu Zeit motivieren. So bilde ich mir manchmal ein, noch ganz gut in Form zu sein. Dann treffe ich bei einem solchen Event auf andere Sportskolleginnen und -kollegen und bin immer wieder aufs Neue geflasht. Das sind dann halt nicht nur gute Schwimmer, Radfahrer und Läufer, sondern das sind echte Triathleten: Fröhlich, freundlich, strahlend und nett und vor allem durchtrainiert bis zur letzten Faser ihres Körpers. Ich muss mich dann immer erst einmal aus einer respektvollen Starre lösen.

Bei der Trainingsrunde auf der bergigen Originalradstrecke am Freitag vor dem Wettkampf durfte ich schon miterleben, mit welchen Geschwindigkeiten auf der Ebene und am Berg Rad gefahren wird und zu welchen Leistungen Hobbysportler in der Lage sind. Natürlich macht das auch wahnsinnig Spaß, da mitten drin und Teil des Ganzen zu sein. Das ist einfach unbeschreiblich!

Am Samstag stand noch eine kleine Schwimmeinheit im Großen Alpsee auf dem Programm. Zusammen mit vielen anderen bei bester Stimmung. Jeder gibt Tipps, man hilft und unterhält sich. Man sieht die neuesten Trends. Mir war z. B. nicht bewusst, dass mittlerweile beim Training im Freiwasser sehr viele mit einer Schwimmboje schwimmen.
Die Vorfreude auf den Wettkampf war groß und die Sonne strahlte vom Himmel. Doch die Wettervorhersage kündigte für Sonntag Gewitterregen und Kälte an. Nicht erst einmal haben sich beim Allgäu-Triathlon die Triathleten nach dem Schwimmen mit dem Neoprenanzug aufs Fahrrad gesetzt, weil es ihnen einfach zu kalt war.

Der Wettkampftag begann dann morgens um vier Uhr mit Donner und einem heftigen Gewitter, so dass die Helfer alle Hände voll zu tun hatten, die Zelte und Banden am Platz zu halten, um Schlimmeres zu verhindern. Die Wechselzone war vom Vortag mit 2.200 Fahrrädern, Helmen, Rad- und Laufschuhen bereits voll für den Wettkampf bestückt. Ein paar Stunden sah es laut Veranstalter tatsächlich so aus, als würde, nach Corona 2020, dieses Jahr ein Gewitter die Hoffnungen auf einen Raceday hinwegfegen.

Als dann um 8 Uhr die ersten Starter auf die Mitteldistanz geschickt wurden, hatte sich das Wetter zum Glück beruhigt. Um genau 10 Uhr war ich mit der 3. Gruppe der Männer am Start auf die Strecke der Olympischen Distanz. Zu dieser Zeit war von Regen keine Spur mehr und die Sonne kam fast durch. Der Schwimmstart selbst erfolgte aus dem tiefen Wasser heraus geradewegs auf die Boje zu, die weit draußen im See zu erkennen war. Der Alpsee war vom Gewitter immer noch aufgewühlt, mit zeitweise hohen Wellen. Das Schwimmen war wirklich nicht einfach. Auch mental musste man dazu in der Lage sein, so weit in den See zur ersten Boje hinaus zu schwimmen und weit draußen dann die zweite Boje anzupeilen, bevor es wieder ans Ufer ging. Ich habe gemerkt, dass ich dieses Jahr sehr viel geschwommen bin und war mir meiner Sache sicher. Unterwegs konnte ich sogar noch den einen oder anderen Mann mit blauer Badekappe aus der Startergruppe vor mir einholen. Das motiviert natürlich.

Dann gings durch den Schwimmzielkanal auf die 700 m (!) lange Strecke, natürlich barfuß, über Wiesen zum Fahrrad in die Wechselzone. Ich war gespannt, ob noch alles an seinem Platz ist, nach dem Sturm am Morgen. Das war glücklicherweise der Fall und ich war wirklich sehr erleichtert. Die Radschuhe werden bei diesem Event nicht am Fahrrad eingeklickt, sondern beim Wechseln direkt angezogen. Man rennt dann mit den Radschuhen am Fuß über die auf Wiesen ausgelegten Matten zur Radstrecke. Die Aufstiegszone aufs Rad ist leicht bergauf. Ein Start mit eingeklickten Schuhen wäre sehr erschwert. Das muss man wissen. Ein netter Triathlet hat mir all das am Vortag erklärt. Überhaupt war die Stimmung schon beim Abholen der Startunterlagen und auf dem Messegelände sehr ausgeglichen und unaufgeregt. Trotz der vielen Menschen und den strengen Coronaregeln. Überall ein Lachen und fröhliche Menschen. Die Organisatoren haben bewiesen, dass eine so große Sportveranstaltung auch in Pandemiezeiten möglich ist.


Jetzt aber aufs Rad. Nach dem ersten Einrollkilometer kommt gleich der erste Hotspot des Allgäu Triathons: Der berühmt berüchtigte Kalvarienberg mit giftigem Anstieg. Trotz eigentlich Zuschauerverbots standen einige Triathlonfans verteilt am Straßenrand und feuerten die Athleten an. Das trägt einen förmlich nach oben! Dann ging‘s hügelig weiter durch eine malerische Landschaft, durch Wiesen und Felder vorbei an Kuhweiden. Bis zum steilen und langen Anstieg durch den Wald nach Ettensberg, der alle Kräfte fordert. Doch zu diesem Zeitpunkt ist noch nicht einmal die Hälfte der Radstrecke gefahren. Es folgen rasante Abfahrten, teilweise und aus gutem Grund mit Überholverbot und wieder Anstiege. Mir ging es sehr gut auf dem Rad. Selbst beim letzten Anstieg konnte ich nochmal richtig durchziehen.













Dann kam der Wechsel auf die Laufstrecke: Leicht wellig dem See entlang bis zur Wende in Trieblings nach 3,5 Kilometern. Ich habe die Wendemarke herbeigesehnt und ich konnte nicht glauben, dass 3,5 km so lang sein können. Ich musste beim Laufen wirklich kämpfen. Ist halt schon blöd, wenn man als Triathlet beim Training das Laufen fast vergisst. Am See entlang zurück. Was dann nach 7 km kommt, ist legendär und halt KULT: Der Kuhsteig. Eine extrem steile Rampe mit losem Untergrund, die die allerletzten Reserven fordert. Trotz allem ist es mir gelungen, durchzulaufen und nicht ins Gehen zu fallen. Die letzten Kilometer bin ich locker gelaufen und habe mich nur noch gefreut.

Im Ziel wurde ich freundlich mit der markante KULT Medaille begrüßt. Im Athletenzelt wurde dann noch ausreichend Essen und Trinken geboten. Die Allgäuer Kässpätzle, der Kaiserschmarrn und das alkoholfreie Bier waren sofort vertilgt und ich war nur noch glücklich.

Die Finisherzeiten spielen für mich in meinem Alter keine Rolle mehr. Na ja, okay. Fast keine. Trotzdem habe ich mich über einen 8. Platz in meiner Altersklasse gefreut. Man muss ja immer bedenken, dass ich gegen echte Triathleten angetreten bin.

Video vom Wettkampf unbedingt anschauen: https://www.youtube.com/watch?v=-ijKpAiMm-0