Das erste Mal…


… ein Triathlet.

von Thomas Bitzer

Geschwommen bin ich schon oft, mit dem Rad fahre ich seit meiner frühesten Jugend und das regelmäßige Laufen ist seit mehr als 20 Jahren der Ausgleich zum beruflichen Alltag. Aber alles so unmittelbar hintereinander und dann auch noch in einem Wettkampf? Diejenigen, die das fertig bringen, dürfen sich Triathleten nennen. Ja, zwar noch lange kein Ironman, aber immerhin Triathlet. Und das wollte ich jetzt endlich auch einer sein.

Der geneigte Triathlon-Leser mag schmunzeln, da aber bekanntlich noch kein Meister vom Himmel gefallen ist, zog es mich zu diesem Vorhaben in das tiefe Vorarlberger Land an den Jannersee zwischen Bregenz und Dornbirn. Dort, wo mich kein Mensch kennt. Smile „Nur“ Sprintdistanz dachte ich, da kann nicht viel schief gehen: 400m schwimmen, 16km Rad, 4km Laufen (http://tridornbirn.at). Die Konkurrenz kann am Jannersee (!) auch nicht allzu groß sein. Oder etwa doch? Was ich irgendwie nicht beachtet habe war, dass bei diesem Wettkampf auch die Vorarlberger Landesmeisterschaften ausgetragen und die Startplätze für die Sprint Age Group EM 2018 in Glasgow vergeben werden. Also: Qualifikation für die Europameisterschaft nächstes Jahr. Aha. Es war alles am Start, was in Vorarlberg und weit darüber hinaus im Triathlonsport Rang und Namen hat. Vom Profi bis zum eher seltenen Rookie. 200 Athleten mit Körpern, wie aus Stein gemeißelte griechische Götter. Und diese Zeitfahrräder in der Wechselzone: Das ist echt der Hammer – wahrscheinlich fast so schnell wie eine Kawasaki. Alles weit entfernt von Provinz. Ganz im Gegenteil: Alles sehr professionell, hochkarätig und klasse vorbereitet. Und viele nette Menschen und strahlende Gesichter.

Gestartet wurde in zwei Wellen. Zuerst die Damen, jetzt Achtung!, gemeinsam mit den Herren über 50. Man erkennt die Herren über 50 auch sofort an ihren blauen Badekappen. So, ich rufe also erst einmal bei Amnesty an. Nein - quatsch, ich konzentriere mich auf den Start und geh nochmal alles durch, wie gelernt: Arme ganz durchziehen, gleiten, Reißverschluss und AZ. Dann der Startschuss.

Irgendjemand hat mir mal erzählt, dass man sich nach dem Schwimmstart auf den ersten Metern fühlt, wie in einer Waschmaschine. Er hat nicht erwähnt, dass er den Schleudergang bei 1.200 U/min meint. So etwas hab ich noch nie erlebt. Dass Frauen so grausam sein können. Wink

Eine ganz neue Erfahrung war das Wettkampfschwimmen im zwar sauberen aber trüben Wasser. Nach 30 Meter in dem brodelnden und undurchsichtigen Wasser habe ich schlicht die Orientierung verloren. Meinen Kopf lasse ich trotzdem unter Wasser und drehe nur zum Atmen, weil ich schnell sein will. Das war ein Fehler. Im Nachhinein habe ich gelernt, dass nach jedem 3 – 4 Armzug der Kopf über Wasser muss, um die Blickrichtung auf die Bojen nicht zu verlieren. Okay. Das sitzt jetzt hoffentlich.

Die Herren unter 50 (die mit den grünen Badekappen) sind in der zweiten Welle genau 4 Minuten später gestartet. Aufgrund meines orientierungslosen Zickzackkurses habe ich nach 9 Minuten schwimmen (Oje) das Vergnügen, zeitgleich mit dem Schnellsten der Herren mit grüner Badekappe (dem späteren Sieger) aus dem Wasser zu steigen. What a feeling.

Dann der erste Wechsel auf das Fahrrad. Regine hat zugeschaut. Später hat sie mir verraten, dass die Schnellsten locker eine Minute schneller gewechselt haben. Diese hatten auch ihre Schuhe eingeklickt und zusätzlich mit Gummibändern am Rad befestigt und natürlich erst auf den ersten Metern fahrend angezogen. Jetzt verstehe ich auch den Hinweis vom Wettkamprichter beim Briefing, nach dem Radstart nach vorne zu schauen und nicht in die Begrenzung zu knallen, nur weil man fahrend noch schnell die Schuhe anziehen muss.

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Einmal in Fahrt lief dann alles gut bei mir. Ich genoss jeden Meter durch das schöne Lauteracher Ried. Mit durchschnittlich 35 km/h fuhr ich auf dem mehr oder weniger flachen, aber verwinkelten Kurs nach 28 Min. mit dem Mittelfeld über die Ziellinie. Vielleicht montiere ich ja doch noch irgendwann mal einen Triathlonlenker an mein schönes Rennrad. Wenn man fast der einzige ist ohne…Oder dann doch gleich eine Zeitfahrmaschine mit Scheibenrad? Mensch Junge, denk an deine blaue Badekappe!

Dann der Wechsel zur Laufstrecke. Ich fühle mich immer noch sehr gut und weiß natürlich, dass der 4 km lange flache geschotterte Feldweg am Schluss zum Speedlauf herausfordert. Ich teile mir gerade deshalb meine Kräfte ein und erreiche nach 17:50 min außer Atem, aber überglücklich die Ziellinie. Ich bin ein Triathlet!Laughing

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Nach insgesamt 55:06 min erreiche ich locker mein mir selbst gestecktes Ziel, unter 1 Stunde zu bleiben. Bei den Herren mit blauer Badekappe (Master, Hobby III) erreiche ich den 10. Platz und bin damit unter den Top Ten in meiner Altersklasse dieses top besetzten Wettkampfs und wirklich happy über dieses Resultat.

Am Tag darauf, am Sonntag, 20. August, findet der legendäre Allgäu Triathlon in Immenstadt und Umgebung statt. Regine und ich beschließen, als Zuschauer dabei zu sein. Hier am Großen Alpsee ist natürlich alles ein paar Nummern größer im Vergleich zum Jannersee: Die Anzahl der Athleten, die Distanzen und natürlich auch die Zuschauer. Ein echtes Volksfest in der ganzen Umgebung. Allerdings musste ich feststellen, dass es dort Triathleten gibt, die auch mal schwächeln. Das gab es am Jannersee nicht. Am legendären Kalvarienberg in Immenstadt mit seinen 18% Steigung musste doch vereinzelt der eine oder andere seine Zeitfahrmaschine den Berg hochschieben. Naja ich gebe zu, beim genauen Hinsehen waren das alles Männer über 50.