Challenge Roth-Manchmal ist Kuchen vor einem Wettkampf empfehlenswert


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Erlebnisbericht von Filip Schmid:

Bei der Challenge Roth war er für mich sogar Voraussetzung! Denn bei der diesjährigen Stauferlandrundfahrt in ‚Kuchen‘ durfte ich Albe, den frisch geschmiedeten Eisenmann kennenlernen, der meine Teilnahme als Staffelläufer überhaupt erst ermöglichte. (DANKE!)
„Du bist doch ein Läufer. Hast du am 09.07. schon was vor?“
.. So oder so ähnlich wurde mir ein Angebot unterbreitet, dass ich als angehender Triathlet (scheitert noch am Schwimmen) nicht ausschlagen konnte. Im Gegenteil: Am liebsten hätte ich Albe umarmt!
‚Challenge Roth‘! Das Sportereignis! Ein Traum wird wahr!
Vorbereitung: Zelt kaufen.. Check!
Bereits bei der Anreise zum Zeltplatz am Freitag Mittag fühlte ich mich durch die überall verstreuten „Welcome Triathletes“-Banner in die Challenge-Familie aufgenommen. Dank meiner Ingenieurs-Künste (und ‚etwas‘ Unterstützung) gewann ich die Schlacht mit dem Zelt noch rechtzeitig und eilte zur Nudelparty im Stadtpark, dem Dreh- und Angelpunkt der Challenge. Bei der Startnummernausgabe erhielt ich ein blaues Armbändchen mit der Aufschrift ‚Run‘: es diente mir nicht nur als Gedächtnisstütze für meine Wettkampftaktik, sondern als Eintrittskarte zum Teilnehmerbereich sowie meiner ersten Nudelparty, welche bei mir zu einer Nudelorgie ausuferte. Dieses kleine Bändchen verlieh mir über das folgende Wochenende ein ganz besonderes, ein ‚olympisches‘ Gefühl: Ich bin tatsächlich dabei!
Die Nacht war sehr kurz (Tour de France musste noch geschaut werden), aber das Zelt hat sich als brauchbarer ‚Plan B‘ herausgestellt.

Mit der Morgensonne im Gesicht nutzte ich meinen Samstagslauf zum Fotos machen und zur Erkundung der Laufstrecke. Wunderschön! Der vorabendlichen Nudelorgie sei Dank konnte ich gar einen Teil der ‚Challenge Women‘ mitlaufen und einen keinen Abstecher in den nahegelegenen Wald einfügen. Später am Samstag folgten Sightseeing in Roth (sehr schön!), Bestaunen neuer Laufräder für meinen Schatz, Tarmac, auf der Triathlonmesse (.. zu teuer..) und ‚Rest‘ für den Rest des Tages.
.. Nacht wieder kurz, Tour de France halt..
Ein lautes Donnern erschütterte den Äther und riss mich aus dem „kurzen Nickerchen“. Pünktlich um 6:30h vermeldete ein erster Kanonenschuss den Beginn des großen Tages! Dem Startschuss für die Pro-Einzelstarter folgten im 10-Minuten-Takt noch weitere für die unterschiedlichen Gruppierungen, bis schließlich alle Einzelstarter ihr Vorhaben in Angriff nahmen. Etwas später wiederholte sich diese Prozedur für die Staffeln: mit jedem Donnern stieg die Aufregung und Vorfreude auf meine Teilnahme. Hammer!
Damit aus dem Wettkampftag aber kein Wettkrampftag wurde, ließ ich es zunächst locker/lecker angehen. Ist ja noch was hin bis zu meinem ganz besonderen Sonntagslauf, beruhigte ich mich selbst. Frühstück im Bauch, Laufklamotten bereit, und nun?!.. Normalerweise laufe ich dann bei einem Marathon einfach los, aber dieser war anders, denn ich wusste nicht, wann der Startschuss für mich fallen sollte. Hmm.. ungewohnt.. Ich campte also vor meinem Zelt und wartete auf Neuigkeiten von unserem Staffelschwimmer-Heiko während es immer wärmer wurde. Noch ein paar Fotos gemacht und da war er auch schon auf dem Campingplatz! 1:13:21h für die 3,8km! Unfassbar, besonders für mich als Nichtschwimmer! Ein toller Start für unsere Staffel!

80 Challenge Roth 2017.jpgNun wartete ich auf Neuigkeiten von Alfred, der Wasser(stoff)-getriebenen Fahrmaschine mit traumhaftem neuen Bike! Die ersten Zwischenzeiten des Live-Trackings machten deutlich: ‚Man on Fire!‘. Hui, wie der abgeht!
.. Ok, nun hatte ich einen Anhaltspunkt, wann ich loslaufen darf.. Mit Blick auf das Rad-Tracking hieß es nun die Anfahrt planen und mein schweres Kameraequipment in den Laufbeutel prügeln. Aber wo kann ich möglichst beinschonend parken?! Meine dreiste Einfahrt mitten in die Rother-Altstadt wurde dank kostenfreier Parkplätze in zahlreichen Tiefgaragen belohnt (fantastisch!) und nun genoss ich die Atmosphäre auf dem Fußmarsch zur Wechselzone und feuerte (oder brüllte) die Athleten auf der Laufstrecke mit Bewunderung an. Neben den Pros beeindruckten mich besonders alle Amateur-Einzelstarter, die sich auf der mittlerweile saunawarmen
Marathonstrecke quälten. „Quälen“ ist aber ein falsches Wort, denn obgleich der großen Anstrengung, sah man bei allen Athleten ein tiefes Gefühl von Begeisterung und Glück, tatsächlich dieser unglaublichen Herausforderung entgegenzutreten. Allesamt Vorbilder für mich! (.. wenn da bloß dieses dumme Schwimmen nicht wäre..)
.. Normalerweise bin ich es gewohnt auf leeren Magen zu laufen, aber um meine Staffel kraftvoll zum Finish zu führen, schob ich noch ein Marmeladenbrot vor Ankunft in die Wechselzone rein. Nicht gut! Die mittlerweile hochsommerliche Hitze und das querliegende Marmeladenbrot machten ein Aufwärmen schwierig und schnell zu einem Auf-/Überheizen. Also schob ich eine ausgedehnte Dehneinheit zur Verdauung und ‚Radschau‘ in der Wechselzone ein. (Cervelo P5X.. Oh dear!).
Pünktlich zur prognostizierten Zeit ist die Rennmaschine aus Kirchheim nach 5:25:37h – 33km/h Schnitt (absoluter Wahnsinn!!!) zur Chipübergabe eingetroffen und ich übernahm das Staffelzepter –welch‘ Ehre!. Ich warf vorsichtshalber noch einen letzten prüfenden Blick auf mein blaues Bändchen und fühlte mich in meinem Vorhaben bestätigt: Ich lief los!
„Hui, ist ja großartig, wie die Leute einen anfeuern! Hui, sind das viele Zuschauer und Läufer! Hui, ist das aber eng hier auf der Strecke! Pfui, ist das ‘ne Hitze!“
.. Aber echt: voll heiß! Schon während des ersten Kilometers liefen mir Schweißtropfen in die Augen und ich bemerkte beim Wegwischen mit meiner Hand, dass mein kleines blaues Bändchen eine versteckte Botschaft für mich enthielt: es war blau. Blau wie der Ozean. Ozean ist Wasser.. Wasser! Das war es jetzt was ich brauchte! Viel Wasser, das ich mir bei jeder Gelegenheit über Kopf, Körper und in den Mund goss. Für mich ungewohnt, denn ich bin immer zu faul Wasser bei langen Läufen mitzuschleppen.. Mit der Verdampfungsenthalpie an meiner Seite rächte sich aber das flüssige Glück schnell mit einem Wasserbauch und drohenden Bauchkrämpfen, also ging ich kurzerhand auf temporäre Wasserdiät. Einpaar Kilometer später war meine Wasserversorgung optimiert und ich genoss die Strecke und aalte mich in der unglaublichen Atmosphäre.. Als würden alle nur mir zujubeln! Zwar kannte ich die Strecke bereits aus dem Vortag, aber sie war gut versteckt in einer nicht zu überblickenden Menschenmenge gehüllt. Anders als gewohnt waren es nun zwei Runden, die es vor und zurück zu laufen galt. Die bedeutete: Gegenverkehr auf der ohnehin schon sehr engen Strecke! Mit viel Rücksicht und einer doppelten Portion Respekt für alle Einzelstarter zwängte ich mich vorsichtig durch das 42km lange Menschen-Knäuel. Besonders schwierig war dies an den überzähligen, jeweils 1,5km auseinanderliegenden Versorgungsstellen (für einen Marathonlauf absolut luxuriös!.. daher auch der zwischenzeitliche Wasserbauch..). Um den Motor am Laufen zu halten nahmen sich nämlich viele müde Läufer Zeit bei der Wasser- und Nahrungsaufnahme und wechselten bei ihrer Betankung in den Kriechmodus – Laufstrecke wurde also je nach Bedarf um zusätzliche Randzonen erweitert.
.. Die Kilometer flogen förmlich davon und ich genoss jeden einzelnen in vollen Zügen, als ich bemerkte, dass ich schon mitten auf der zweiten Runde war. Schade, es war doch so schön! Am liebsten wollte ich noch eine dritte Runde laufen, aber die Begründung, ich hätte mich verzählt, hätte man mir wohl nicht abgekauft.

85 Challenge Roth 2017.jpgSo nahm ich am Ende der zweiten Runde die Abbiegung zum Zielbereich und wurde kurz vor Betreten des „Stadions“ von Alfred, diesmal ohne bike, bis zur Ziellinie eskortiert. Geschafft!
Grinsend galt es nun den Finisherbereich zu plündern und das Kameraequipement wieder rauszuprüglen, dass den Transport von der Wechselzone in den Stadtpark wohl überstanden hat. Überall erschöpfte, aber überglückliche Gesichter, wo man auch blickte! Den großen Massagebereich überließ ich den Einzelstartern und machte mich auf den Weg zur Zieltribühne – diesmal allerdings als Zuschauer. Die Finishline-Party war in vollem Gange und dauerte bis in die Nacht! Springende Cheer-Leader, anfeuernde Moderatoren sowie laute Musik rangen mit den zujubelnden Zuschauern um die Aufmerksamkeit der eintreffenden Finischer. Sie wurden auf den letzten ihrer 225.995 zurückgelegten Meter von der tobenden Menschenmasse formlich über die Linie getragen bis sie schließlich am Ende eines langen Tages etwas wirklich Besonderes vollbracht haben. Kudos!
Als dann kurz vor Ende der Veranstaltung Wunderkerzen in die Zuschauermengen geworfen wurden, erleuchtete die tiefe Nacht, die sich inzwischen über Roth gelegt hatte, ein imposantes Feuerwerk – zu ehren aller Finisher, aber auch der 7.000 Helfer, die dieses Fest erst ermöglichten. Unvergesslich!

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