Zwei neue „Eisenmänner“ bei den TriAs Wernau


Nach langer und intensiver Vorbereitung und einem harten Wettkampf über rund 12 Stunden hatten Tobias Beck und Albrecht Blessing beim Ironman Frankfurt endlich ihr Ziel, dass sie sich im Herbst letzten Jahres gesetzt hatten, erreicht. Sie hatten die Königsdisziplin des Triathlons, die Langdistanz über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 41,195 km Laufen, bewältigt. Jetzt dürfen Sie sich stolz als „Ironman“ bezeichnen.

mdot.jpg

Ergebnisse:

Tobias Beck: Schwimmen 1:14:40 h, WZ1 11.02 Min, Rad 6:03:38 h, WZ2 6:23 Min, Laufen 4:45:02 h, Gesamtzeit 12:20:45, Platz AK 35: 281

Albrecht Blessing: Schwimmen 1:23:48 h, WZ1 7:36 Min, Rad 5:38:44 h, WZ2 3:33 Min, Laufen 4:40:25 h, Gesamtzeit 11:54:06, Platz AK 50: 158

 

Albrecht Blessing schildert seinen Saisonhöhepunkt so:

Der „längste Tag des Jahres“ begann für mich um 3:45 Uhr. Eigentlich keine Zeit, bei der man so richtig Hunger hat. Trotzdem zwinge ich mich zu 2 Marmeladewecken – Kohlenhydrate die die Grundlage für einen langen Wettkampf liefern sollten. Bereits um halb 5 war ich mit Michaela auf dem Weg von unserem Hotel zum Langener Waldsee, wo das Schwimmen stattfand. Als ich in der Wechselzone 1 (Rad) ankomme, herrscht bereits geschäftiges Treiben. Die Räder wurden zwar schon am Vortag eingecheckt, trotzdem gibt es noch einiges zu tun. Neben dem Aufpumpen der Reifen und dem Auffüllen der Trinkflaschen bin ich vor allem damit beschäftigt, mir den Laufweg zu meinem Rad einzuprägen. Immerhin stehen hier über 3000 Räder – sorry Rennmaschinen im Werte eines Kleinwagens. Dann noch das unvermeidliche Anstehen an den Dixy-Klos und beim Verlassen der Wechselzone kontrolliere ich noch einmal, ob mein Wechselbeutel richtig hängt.

schwimmen.JPGAm schräg abfallenden Gelände zum Waldsee dängen sich 3000 Starter und mindestens noch mal so viele Zuschauer. Pünktlich um 6:30 Uhr wird die Startkanone für Kienle und Co abgefeuert und kurz danach Starten auch die Profifrauen. Für uns Alltersklassenathleten gab es einen sogenannten „Rolling Swim Start“, d.h. jeder ordnete sich nach seiner erwarteten Schwimmleistung ein und die Schwimmer wurden in kleinen Gruppen nacheinander (die Guten zuerst) ins Wasser gelassen. Das klappte erstaunlich gut, hatte aber den Nachteil, dass ich als schlechter Schwimmer von Schwimmern umgeben war, die genauso wenig die Richtung halten konnten wie ich. Ständig kam es zu Kollisionen. Es dauerte fast 500m, bis sich die Lage beruhigte und ich mich ein wenig entspannen konnte. Als ein Schwimmer an der Boje am Ende der 1. Geraden in Formel1-Manier die Ideallinie suchte, indem er außen anschwamm um dann über alle anderen Schwimmer nach innen zu schneiden, bekam ich einen kräftigen Schlag ins Gesicht. Meine Brille war verschoben und ich bekam leichte Panik. Einige Brustschwimmzüge später hatte ich mich wieder sortiert und konnte weiterkraulen. Nach einem kurzen Landgang ging es auf den 2. und größeren Teil der Schwimmstrecke, den ich ohne besondere Vorkommnisse bewältigen konnte.

 

Die ersten Schritte an Land waren wohl eher als Torkeln zu bezeichnen. Nach 83 Minuten in der Horizontalen muss sich der Körper erst wieder an den aufrechten Gang gewöhnen. Michaela feuert mich trotzdem an.  Jetzt ging es richtig los. Das Radfahren war der Teil, von dem ich wusste, dass ich ihn genießen kann. Die ersten 13 km nach Frankfurt ging es leicht abschüssig auf einer teils 4-Spurig ausgebauten Bundesstraße. In meinem Kopf begannen die ersten Selbstgespräche. „Jeah-Vollgas“ sagte der Draufgänger in mir, während sein vernünftiger Gegenpart mahnte „Du wolltest doch die ersten Kilometer nicht schneller als 30 km/h fahren, du brauchst deine Kraft noch“.  Naja, meistens setzt sich der Draufgänger bei mir durch. Ich setzte den linken Blinker und begann ein Rennen auf der Überholspur. Die erste richtige Steigung (The Beast) und die Kopfsteinpflasterpassage (The Hell) konnten mich nicht stoppen. Allerdings verlor ich auf dem Kopfsteinpflaster meine Flasche mit dem Ersatzreifen und von da an fuhr die Angst mit, irgendwo einen Platten zu bekommen. Nach dem Hotspot „Karben Curve“ bei Kilometer 43 wurde es an der Strecke erst einmal ruhiger. Lange Getreidefelder säumten den Straßenrand.felder.jpg

Um die Monotonie aufzubrechen zählte ich Scheiben, d.h. Triathlonbikes mit Scheibenräder, und traf mit mir selbst die Abmachung, wenn ich 100 davon überhole darf ich mir auch ein Scheibenrad leisten. Das war deshalb nicht ganz unmöglich, weil ich ein und dasselbe Rad immer wieder an Steigungen überholte, auf der Ebene aber nicht gegenhalten konnte. So ging die Zeit um und irgendwann, als die Skyline von Frankfurt wieder in Sicht kam, habe ich das Zählen wieder vergessen. Kurz vor dem „Heart Break Hill“ wurde es plötzlich laut. Hupende Motorräder mit Blaulicht sausten vorbei und ein Hubschrauber taucht über mir auf. Sebastian Kienle und Andi Boecherer überholten mich und machten mir klar, dass ich doch kein so toller Radfahrer bin, sondern nur deshalb so viele überhole, weil ich nicht schwimmen kann und deshalb mit dem hinteren Drittel aufs Rad gehe. Immerhin bin ich live im Fernsehen zu sehen (https://www.youtube.com/watch?v=4LAuHShq3lE - 1:12:50 h – 1:13:30 h). Während die Profis auf dem Weg in die 2. Wechselzone waren, ging es für mich in die 2. Radrunde. rad.JPGHier konnte ich das Tempo der 1. Runde nahezu halten. Bei Kilometer 150 spürte ich plötzlich, wie meine Waden leicht anfangen zu krampfen. Dank Armins Tipp hatte ich Salztabletten dabei, die auch wirklich schlimmeres verhinderten.  Nachdem ich das 2. Mal den „Heart Break Hill“ bewältigt hatte wurde mir bewusst, dass mich jetzt nichts mehr daran hindern kann, diesen Wettkampf zu beenden. Selbst bei einer Reifenpanne hätte ich den Weg zur Wechselzone zur Not zu Fuß geschafft. In einer Zeit von 5:38 Stunden konnte ich das Radfahren schließlich beenden.laufen1.jpg

Jetzt galt es „nur“ noch einen Marathon zu laufen. Nach dem Radfahren kam mir das Tempo beim Laufen sehr langsam vor. Ein Blick auf die Uhr nach dem 1. Kilometer zeigte mir aber, dass ich mit einer Pace von 5:30 Min/km schneller als geplant unterwegs war. Ich fühlte mich aber gut und natürlich setzte sich der Draufgänger durch: „Wenn du jetzt so weiterläufst, schaffst du den Marathon unter 4 Stunden.“ Also hielt ich meine Geschwindigkeit. Die Sonne knallte mittlerweile gnadenlos auf die Laufstrecke, die in 4 Runden am mit zahlreichen Zuschauern gesäumten Mainufer entlangging. Bei Kilometer 7 musste ich dann schließlich einsehen, dass ich das Tempo nicht mehr halten kann. Just in diesem Augenblick tauchte plötzlich Vereinskamerad Dirk Liebe, der mit Doreen als Zuschauer hier war, neben mir auf, und begleitete laufen2.jpgmich einige Meter. Eine tolle Überraschung, die mich wieder ein bisschen aufbaute. Die nächsten 27 km legte ich an jeder Verpflegungsstation Gehpausen ein und nahm alles mit, was man bekommen konnte. Da ca. alle 1,5 km eine solche Station war, waren die Laufparts sehr überschaubar und ich konnte mich immer schon beim Anlaufen auf die nächste Pause freuen. Als meine Uhr 11 Stunden anzeigte, die seit dem Start vergangen waren, waren es noch 8km bis zum Ziel und ich fing an zu rechnen. Mein erstes Ziel, aufrecht ins Ziel zu kommen, würde ich sicher schaffen. Aber reichte es auch noch für mein 2. Ziel, unter 12 Stunden zu bleiben? 8 Kilometer in einer Stunde – Wie viele Minuten darf ich da für einen Kilometer brauchen? Normalerweise ist Mathe eher meine Stärke aber in meinem Kopf ging gar nichts mehr. Eine halbe Stunde später wurde die Rechnung dann einfacher. 30 Minuten für 3 Kilometer. Eine 10er Pace schaffe ich ja locker beim Walken. Das 2. Ziel ist auch gesichert und ich kann die letzten Kilometer voll genießen. Am Anfang des Römerbergs, wo der Zielkanal begann, strahlte mir Michaela entgegen und feuerte mich noch einmal an. Jetzt wurden noch einmal unglaubliche Kräfte in mir frei und ich spurtete durch das Zuschauermeer ins Ziel. Über mir wird auf dem Zielbogen meine Zeit eingeblendet: 11:54:06 Stunden – Geschafft!

 

ziel.JPG